Kalt bläst der Wind ins Gesicht. Der Gehweg gibt heute seltsam nach. Silvio Krebs sieht nicht, dass es geschneit hat. Er sieht auch die Bordsteinkante nicht, hört nicht die herannahenden Autos. Silvio Krebs ist taubblind. Hier draußen ist er völlig auf seinen Begleiter angewiesen.
Draußen ist nicht nur unter freiem Himmel. Draußen beginnt, wo der eigene Körper aufhört. Wer weder hören noch sehen kann, muss alles ertasten. Die Welt eines Taubblinden reicht kaum weiter als der ausgestreckte Arm; nur Gerüche, Wind und Wärme kommen von weiter her.
Silvio Krebs ist 29. Seit 23 Jahren lebt er im Taubblindenwohnheim in Potsdam-Babelsberg. Jeden Mittwochvormittag sitzt er dort an einem langen Tisch, die rechte Hand in einer Plastikschale mit wässrigem Bastelton. Unablässig schiebt er seine langen Finger durch den Brei. Vor, zurück, vor, zurück. Im gleichen Rhythmus wendet er seinen Kopf. Nach links, nach rechts, nach links, nach rechts. Dunkle Haare fallen ihm ins Gesicht. Seine Augen sind nach oben gerichtet, halten nirgendwo fest. Netzhautablösung im ersten Lebensjahr. Zwei Jahre später wurde auch Taubheit festgestellt. Wahrscheinlich war er bereits gehörlos, als er auf die Welt kam - zwölf Wochen früher als erwartet.
Zudem ist er geistig behindert. Unmöglich zu sagen, welchen Anteil die frühe Geburt hat und inwieweit er durch fehlende Förderung behindert gemacht wurde. Denn jeder Mensch braucht Reize, um sich zu entwickeln. Taubblinde Kinder bleiben jedoch oft isoliert; Bewegungen im Raum oder aufmunternde Worte vertrauter Personen erreichen sie nicht.
In der Schule, die zum Heim gehört, lernte Silvio Krebs lediglich die wichtigsten Tastgebärden. Wird etwa seine Hand zu seinem Mund geführt, weiß er: es gibt Essen. Er kann nicht mitteilen, was er möchte, was ihm fehlt. Zumindest nicht in einer Form, die andere verstehen.
Noch immer fahren seine Finger durch den wässrigen Brei. Arbeiten mit Ton werden bewusst für Taubblinde gewählt: Sie können das weiche Material formen, können fühlen, wie es sich unter ihren Händen erwärmt. Wie einem inneren Metronom folgend bewegt Silvio Krebs die Hand. Vor, zurück. Wedelt mit dem Kopf. Links, rechts. Immer im gleichen Rhythmus, ohne Pause. Sein Gesichtsausdruck bleibt unverändert, ab und an gähnt er leise. Als seine Hand nur oberflächlich über den Ton streicht, drückt sie Betreuer Ralf Herrmann wieder sanft in die Masse. Jetzt lächelt Silvio Krebs.
Mehr als eine Stunde rührt er dünnflüssige Paste an, mit der die festen Tonrollen seiner Tischnachbarn zu Gefäßen verklebt werden. Mag er das Gefühl, wenn seine Finger durch den warmen Brei gleiten? Oder wartet er nur darauf, dass es endlich vorbei ist? "Das weiß ich nicht", sagt Ralf Herrmann, der Betreuer. Um die Taubblinden aus ihrem armlangen Drinnen nach draußen zu holen, bastelt er mit ihnen, sie gehen gemeinsam schwimmen oder fahren Tandem. Selten ist klar, ob den Taubblinden die Abwechslung tatsächlich gefällt. Manche zeigen ihren Unmut schnell: sie gehen weg, andere geben Laute von sich, einige schlagen um sich. Und manche reagieren nur, wenn ihnen etwas völlig zuwider ist. Wie Silvio Krebs. Dann wedelt er heftiger mit dem Kopf und beginnt sich zu kratzen.
Zum Reiten geht er gern. Auf dem Rücken des Therapiepferdes lösen sich seine Verspannungen. Die Schultern, die er meist nach vorn gezogen hat, werden dann ganz locker. Welche Gefühle zwischen entspannten Schultern und heftigem Kopfwedeln liegen, bleibt sein Geheimnis.
Farben und Klänge hat er nie kennen gelernt. Wie sollte er sie vermissen? Vielleicht ist er glücklich in seiner Welt.
Jeden Morgen fährt Roy Pietsch mit dem Bus zur Taubblindenschule in Halberstadt, in Sachsen-Anhalt. Weil es in Deutschland nur vier solcher Schulen gibt, wohnt der 17-Jährige nicht bei seinen Eltern in Dresden, sondern im nahen Wohnheim.
Roy sieht aus wie viele Jugendliche: kurze Haare, Nike-Pullover, braune Cargohosen, im linken Ohr ein Ring. Dazu trägt er eine Brille mit fast zwei Zentimeter dicken Gläsern. In seinen Ohren stecken blau-gelb gescheckte Hörgeräte. Die Hilfsmittel verstärken wenig, Roy gilt als taubblind. Allerdings ist für die meisten der schätzungsweise 4.000 bis 10.000 Taubblinden hier zu Lande die Beschreibung "hörsehbehindert" treffender: mit ihren Augen können sie schemenhaft etwas erahnen oder mit einem Hörgerät bestimmte Frequenzen wahrnehmen.
In der Schule soll Roy vor allem Lebenspraktisches lernen, etwa Blindenschrift und deutliches Sprechen. Das soll ihm später bei der Arbeit in der Werkstatt für Behinderte helfen. Besonders schwer fällt ihm das Lormen, benannt nach Hieronymus Lorm, der die Sprache der Taubblinden vor gut 100 Jahren entwickelte. Dabei werden für jeden Buchstaben bestimmte Punkte auf der Hand berührt: leichtes Trommeln auf dem Handteller - R, die Spitze des Ringfingers antippen - O, einmal über alle vier Finger streichen - Y.
Der Tag beginnt für Roy und seine Mitschüler mit einem gemeinsamen Frühstück. Nach dem Essen nimmt jemand seine Hand und macht damit eine kreisende Bewegung vor seinem Mund. Dazu wird gesagt: "Geh' bitte Zähneputzen!" Roy sucht die Person mit seinen Händen und befühlt deren Hinterkopf, um sie zu erkennen. Fingerlanges Haar, durch Gel ein bisschen abstehend - es ist seine Klassenlehrerin.
Roy tastet sich aus der Küche und geht den hellen Flur entlang. Mit dem rechten Auge kann er hell und dunkel unterscheiden. Das linke wurde ihm im Alter von fünf Jahren entfernt, weil es sich so stark entzündet hatte, dass auch das rechte Auge bedroht war. Seine linke Hand greift nach markanten Punkten im Flur: Feuerlöscher, Glastür. Den Handlauf nimmt er nicht. Als könnte er hervorragend sehen, macht Roy einen weiten Bogen nach links und steht genau vor einer dunklen Tür. Auf dem Schild steht "WC" in großen schwarzen Buchstaben, darunter noch einmal in Punktschrift. Daneben ragen Mann und Frau als Tastsymbol hervor. Roy weiß auch ohne das Schild, dass er hier richtig ist.
Mit den Fingern überprüft er, ob genügend Zahncreme auf der Bürste ist und putzt dann mit kräftigen Schwüngen. Endlich kann er sein Deo aufsprühen. "Florena Man", bei einer Einkaufstour in der Stadt selbst ausgesucht. Roy riecht gern. Auch an seiner Lehrerin - besonders wenn sie beschäftigt ist und sich nicht wehren kann. "Einmal schnuppern ist völlig in Ordnung. Aber nicht dauernd, das weiß Roy genau", sagt sie.
Roy neckt eben gern. Zupft seine Mitschüler an den Haaren, gibt im Unterricht unmögliche Antworten oder lässt sein Glasauge über den Boden rollen, damit die neue Betreuerin es wieder einfangen muss. Dann weicht der freundliche Gesichtsausdruck einem frechen Grinsen, unterstützt von juchzenden Lauten.
Vor vier Jahren war das anders. Mit irgendetwas kam er nicht klar, doch er konnte es nicht sagen. Stattdessen kratzte er sich ständig, bis das Blut kam. Unzählige Narben an Nacken und Armen sind geblieben.
In der Mathematikstunde wiederholt Olaf Oegarte mit Roy zunächst die Zahlen bis zwölf. Die schwarzen Ziffern - gut drei Zentimeter groß - heben sich klar vom weißen Papier ab. Roy schiebt eine halbe Glaskugel darüber, um sie besser zu erkennen. Laut zählt er mit: "Nui, hai, wai, rai, hia." Und weiter von der fünf bis zur zwölf.
Ohne diese Zahlen kann er die Uhr nicht lesen. Olaf Oegarte, der Lehrer, legt eine Holzscheibe mit hervorstehenden Ziffern und zwei glatten Plastikzeigern auf den Tisch. Roy soll die Uhr auf halb neun stellen. Er greift die Zeiger und dreht beide zur neun. Der Lehrer nimmt Roys Zeigefinger und tippt damit an dessen linke Schläfe. "Überlege", sagt er dabei. Mit etwas Hilfe dreht der Schüler den großen Zeiger auf die sechs und schiebt den kleinen nochmals zur neun. Jetzt ist Olaf Oegarte zufrieden. Er greift Roys Handgelenke und zieht sie weit nach oben. "Prima!", ruft der Lehrer. "Hima!", ruft Roy und lacht.
Jeden zweiten Freitag kommt Roy nach Hause, in die Vier-Raum-Wohnung im siebten Stock eines Plattenbaus. Mehr ist nicht drin für die große Familie: den Vater, der als Kurierfahrer 1000 Euro bekommt, die Mutter, den geistig behinderten Bruder und die vier Schwestern.
Roy sitzt vor dem Fernseher in einem der Kinderzimmer. Zwischen Doppelstockbetten, voll gestopften Regalen und Schränken klemmt die Bildröhre, in die Roy fast hineinkriecht. Er spielt "Das große Krabbeln" auf der Playstation. "Roy kommt weiter als die Mädels", sagt seine Mutter stolz. "Aber nur bei diesem Spiel."
Sylvia Pietsch war 18, als sie zum ersten Mal schwanger war. Sie bekam Röteln, die auch das Kind infizierten. Die Ärzte der Entbindungsklinik entließen sie mit einem scheinbar gesunden Jungen. Doch der Grauschleier auf Roys Augen machte ihr Sorgen. Ein Vierteljahr später stand die Diagnose fest: Grauer Star - Trübung der Linse, Grüner Star - erhöhter Augendruck, der die Netzhaut zerstört; dazu fast vollständige Taubheit und ein Loch im Herz.
Wie kam die Mutter mit diesem Schock zurecht? "Ich hatte damals keine Zeit zum Nachdenken", sagt Sylvia Pietsch. Es klingt ausweichend. Nahezu alle Eltern taubblinder Kinder stürzen in tiefe Depressionen, brauchen Jahre um wenigstens zu akzeptieren: Dass die Tochter, der Sohn nicht strahlt, wenn die Eltern im Türrahmen stehen; dass das Kind vor sich hin brummt, sich kratzt und schlägt, um Berührungen zu spüren. Anders als Sonderschulpädagogen und Heilerziehungspfleger haben Mütter und Väter diese Herausforderung nicht gesucht. Sie hat sie überrollt. Ist 24 Stunden am Tag da, ein ganzes Leben lang. Das hält nicht jeder aus - erhöhte Scheidungsrate, Suizide, Kind ins Heim und niemals wiedersehen.
Als Roy in die Schule nach Halberstadt kam, hat Sylvia Pietsch "eine Woche lang geheult". Der Junge sollte nicht denken, sie wolle ihn weggeben!
Als Roy das linke Auge entfernt wurde, ist sie zusammengebrochen. Ihre Eltern und Schwiegereltern hatten sich bereits zurückgezogen. Ihr Mann Andreas ließ sich krankschreiben, damit sich wenigstens einer um die Kinder kümmern konnte. Da war er seinen Job los.
Wenn Roy heute in die Klinik muss, wo regelmäßig der Augendruck gemessen wird, hält die Mutter seine Hand. Er hat panische Angst, dass ihm auch das zweite Auge genommen wird. Oft ist der Druck darin doppelt so hoch wie normal. Irgendwann wird Roy auch das rechte Auge verlieren. Mit dem er so gern Insekten betrachtet, seine Armbanduhr abliest und Playstation-Ameisen verfolgt.
Wie wird er mit der völligen Blindheit zurecht kommen? Kann er seine Neugier bewahren, seine Fröhlichkeit? Oder wird er für immer in der Dunkelheit gefangen sein und auf Geräusche warten, die das Hörgerät bringt? -
Menschen, die taubblind geboren werden, erlernen selten die Sprache der Hörenden und Sehenden. Blinde und Gehörlose können sie besser erschließen. Verlieren sie später ihren zweiten Fernsinn, werden auch sie zu Taubblinden. Ihnen gelingt es wohl am besten, ihre farb- und geräuschlose Welt für Hörende und Sehende zu beschreiben.
Im Taubblindenzentrum Hannover leben 60 Erwachsene, die erst nach Jahren erblindeten oder das Gehör verloren und so in die Taubblindheit gestoßen wurden. Durchs ganze Haus winden sich Handläufe aus lackiertem Holz. Alle paar Meter kleben darauf kantige Ziffern aus Kunststoff, die Nummern der Einzelapartments. Die Türen haben Knäufe, jeder muss klingeln. Dann geht drinnen der Ventilator an oder Funkwellen aktivieren einen flachen Vibrationsmelder, den die Taubblinden zwischen Hemd und Haut tragen.
In den Fluren hängen Fotos von Ausflügen, etwa zu den Düften eines Kräutergartens. Daneben Bilder aus Filz, Pappe und Streichhölzern, die für Hände interessanter sind als für Augen. Man ahnt, dass zu viel Hören und Sehen die übrigen Sinne verkümmern lässt. Dies wird zur Gewissheit, wenn eine Bewohnerin die fremde Person spürt und suchend die Hände vorstreckt. Wenn sie plötzlich Fragen in Hände lormt, die nicht antworten können. Finger, die sonst auf Tastaturen und Fernbedienungen klare Auskunft geben, drücken hilflos auf der Hand der Taubblinden herum. Wie waren die Buchstaben des eigenen Vornamens? Vergessen. Letzter Ausweg: ein Händedruck, der eingesteht wie beschränkt die Welt der Hörenden und Sehenden sein kann.
Die meisten Bewohner sprechen mit dem Mund, hören aber mit den Händen. Keine Chance ohne eine Dolmetscherin, die Gesprochenes Buchstabe für Buchstabe in die Lormen-Sprache übersetzt. Ihre Ohren und Hände verhelfen zu einem Gespräch mit Erika Hagemann.
Sie ist 76 Jahre alt und wohnt seit 28 Jahren in Hannover. Von Geburt an ist Erika Hagemann fast blind, kann nur hell und dunkel unterscheiden. Mit zwölf Jahren bekam sie Diphtherie. Seitdem hört sie nichts mehr - außer einem dauerhaften Pfeifen. Tinnitus. Obwohl sie sich seit mehr als 60 Jahren nicht mehr sprechen hört, ist ihre Sprache gut zu verstehen.
Erika Hagemann lädt ein zum Tee in ihrem Zimmer. Nachdem sie das Licht angeschaltet hat, geht sie zum Sofa und schiebt die Zeitungen beiseite - aktuelle Nachrichten aus dem Internet, in Punktschrift ausgedruckt. Der Besuch soll sich wohlfühlen. Dann geht sie zur Küchenzeile, öffnet den Schrank zur Rechten und greift nach der bauchigen Keramikkanne mit der stumpfen Glasur. Sie tastet wenig, alles hat seinen Platz. Mit dem Finger fühlt sie, wann genügend Wasser im Kocher ist. Sie füllt losen Maracujatee in einen Teebeutel aus Papier. Ein paar Krümel fliegen vorbei, sie bleiben liegen. Nun hält Erika Hagemann ihre Hand von außen an den Wasserkocher. "Wenn er brummt, ist es soweit", sagt sie. Mit der linken Hand hält sie den Teebeutel am Rand der Kanne fest. Zwei Fingerbreit daneben gießt sie kochendheißes Wasser hinein. "Ich sehe nichts, mache das nur nach Gefühl", sagt sie.
Sie kocht auch ihr Mittagessen selbst. Da habe sie wenigstens eine Beschäftigung, meint Erika Hagemann. Verbrannt hat sie sich schon lange nicht mehr. "Ich fühle über dem Topf, ob es kocht", sagt sie und lässt ihre Hand in der Luft kreisen.
Auf dem Regal stehen Schiffsmodelle, Hamburg wird immer ihre Heimat bleiben. Als Kind hat sie der Vater oft zum Hafen mitgenommen. Später lernte sie einen Beruf, den viele Taubblinde lernen: Bürstenmacher. Fasern greifen, umknicken, ins vorgebohrte Loch einfädeln, Draht durchstecken, festziehen. 1953 kam Erika Hagemann in ein Heim. Sie lebte so selbständig, wie es ging, ließ sich beim Einkaufen und bei Arztbesuchen die Buchstaben der Fragen mit dem Finger in die Hand schreiben.
Erika Hagemann zeigt auf eine verblichene Fotografie. 26 Jahre waren sie damals schon zusammen. Sie und ihr Freund Hermann, der auf einem Ohr nichts hörte und ebenfalls sehbehindert war. Geheiratet haben die beiden nicht; aus finanziellen Gründen, wie Erika Hagemann sagt. Die Frau, die immer Säuglingspflegerin werden wollte, bekam auch keine Kinder. "Ich wollte sie nicht mit meinem Schicksal belasten", sagt sie. Drei Tage nachdem das Foto aufgenommen wurde, starb ihr Hermann.
Es duftet nach Maracujatee und Gewürzkeksen. Wie schön es war, mit ihm zu tanzen. Die Musik hat sie nicht gehört, aber den Rhythmus, den hat sie gespürt.
Die Dolmetscherin lormt buchstabenweise Frage um Frage an die alte Dame. Keine Zeit für vorsichtiges Anspielen der Themen. Präzise, nahezu unhöflich präzise, müssen die Fragen sein.
Ist es nicht unangenehm, im Gespräch mit anderen ständig berührt zu werden? "Nein, das Lormen ist die einzige Sprache, die ich verstehe", sagt Erika Hagemann. Im Gegenteil, sie suche Kontakt zu anderen, denn die Einsamkeit sei oft erdrückend.
Einsamkeit, Verlust des Gehörs, Tinnitus - hat sie manchmal an Selbstmord gedacht? Eine intime Frage, die über Ohren und Finger einer Dritten ihre linke Hand erreicht; in einer Sprache, die kaum einfühlende Nuancen zulässt. Erika Hagemann antwortet in ihre Dunkelheit hinein, ohne die Reaktionen des Menschen zu sehen, den sie erst seit einer halben Stunde kennt: "Früher oft. Aber wozu? Wenn ich von meinem Balkon im dritten Stock springe, bin ich tot - oder mich trifft ein noch größeres Schicksal." Jetzt denkt sie nur noch selten daran, sagt sie. Und dass ihr eigentlich nichts fehlt.
Copyright Ralf Nestler
Zuerst erschienen in DAS MAGAZIN 2006 (5/2006 Seite: 56)